SQIDAS®: Ein Organisations- und Nachweissystem für Entgelttransparenz

Im ersten Teil dieser Serie wurde deutlich: Entgelttransparenz scheitert in der Praxis regelmäßig nicht an fehlenden Datenbeständen, unzureichenden IT-Systemen oder vermeintlich ungeeigneten Tools, sondern in erster Linie an einer fehlenden, konsistent durchdachten Struktur, die Zuständigkeiten, Bewertungslogiken und Entscheidungswege klar ordnet. Die naheliegende und zugleich entscheidende Frage lautet daher: Wie kann Entgelttransparenz so organisiert und verankert werden, dass sie nicht nur punktuell funktioniert, sondern dauerhaft erklärbar, nachvollziehbar, prüfbar und gegenüber internen wie externen Anspruchsgruppen tragfähig bleibt?
 
Genau an dieser Stelle setzt SQIDAS® an – nicht als Softwarelösung, nicht als zeitlich begrenztes Projekt und auch nicht als isoliertes Compliance-Instrument, sondern als systemischer Ordnungsrahmen, der Transparenz strukturell ermöglicht und organisatorisch absichert.

Was SQIDAS® bewusst nicht ist

Um SQIDAS® richtig einordnen zu können, ist eine klare Abgrenzung notwendig.
 
SQIDAS® ist:
  • keine HR-Software
  • kein Reporting-Framework
  • kein Equal-Pay-Algorithmus
  • keine Rechtsberatung
Diese Abgrenzung ist kein Mangel, sondern Voraussetzung. Denn viele Probleme der Entgelttransparenz entstehen gerade dort, wo technische Lösungen versuchen, fehlende organisatorische Entscheidungen zu ersetzen.

Entgelttransparenz braucht ein System – kein Projekt

Ein zentrales Missverständnis in Unternehmen besteht darin, Entgelttransparenz als zeitlich begrenztes Vorhaben zu behandeln:
  • Projekt aufsetzen
  • Daten auswerten
  • Bericht erstellen
  • Thema abhaken
Die regulatorische Realität sieht anders aus:
 
⚠️ Entgelttransparenz ist dauerhaft, wiederkehrend und strukturell konfliktträchtig.
 
Sie betrifft:
  • Organisation,
  • Führung,
  • Mitbestimmung,
  • Datenschutz,
  • Governance.
SQIDAS® ist daher als Organisationssystem konzipiert – nicht als Maßnahme.

Der Grundgedanke von SQIDAS®

Der Kern von SQIDAS® lässt sich auf einen einfachen, aber oft übersehenen Punkt bringen: Nur was systematisch gestaltet, entschieden und dokumentiert wird, kann später transparent und nachvollziehbar erklärt werden – insbesondere im Lichte der unionsrechtlich geforderten objektiven und geschlechtsneutralen Kriterien der Entgelttransparenzrichtlinie.
 
Daraus ergeben sich drei grundlegende Trennungen, die in vielen Organisationen fehlen:
  1. Trennung von Bewertung und Entscheidung
    Die Bewertung von Arbeit ist nicht identisch mit der Entscheidung über Entgelt.
  2. Trennung von System und Person
    Entgeltstrukturen müssen unabhängig von individuellen Personen erklärbar sein.
  3. Trennung von Dokumentation und Nachweis
    Beschreibungen allein reichen nicht aus, um im Konfliktfall belastbar zu sein.
SQIDAS® macht diese Trennungen explizit.

Struktur statt Automatismus

SQIDAS® liefert keine automatischen Antworten.
 
Es definiert vielmehr:
  • Rahmenbedingungen
  • Rollen
  • Prozesse
  • Nachweislogik – also die systematische Strukturierung dessen, was im Konfliktfall belegt werden muss
Das System beantwortet nicht die Frage:
Was ist das richtige Entgelt?
sondern:
Wie kommt eine Entgeltentscheidung zustande – und wie lässt sie sich später erklären und prüfen?
 
Gerade diese Zurückhaltung ist entscheidend für Akzeptanz und rechtliche Belastbarkeit.

Dokumentation allein schafft noch kein System

Wenn Bewertungslogiken, Entscheidungswege und Verantwortlichkeiten nicht klar voneinander getrennt sind, dokumentiert man lediglich bestehende Unklarheiten. Transparenz entsteht nicht allein durch Datenspeicherung, sondern durch strukturierte Entscheidungsarchitektur.

Das Operating Model von SQIDAS®

Ein zentrales Element ist das SQIDAS Operating Model. Es beschreibt Entgelttransparenz nicht als einmaligen Akt, sondern als eine Abfolge strukturierter Phasen, die aufeinander aufbauen.
 
Dabei geht es unter anderem um:
  • saubere Ausgangsdaten,
  • nachvollziehbare Bewertungslogiken,
  • klar definierte Entscheidungszuständigkeiten,
  • dokumentierte Ergebnisse,
  • kontinuierliche Überprüfung.
Wichtig ist dabei weniger die einzelne Phase als das Zusammenspiel aller Elemente.
Nur so entsteht ein konsistentes Gesamtsystem.

Verantwortung bleibt beim Unternehmen

Beispiel: Ein Unternehmen definiert objektive Bewertungs­kriterien, die Geschäftsleitung weicht jedoch in Einzelfällen informell davon ab. Im Konfliktfall lässt sich nicht mehr nachvollziehen, ob die Abweichung systematisch begründet oder individuell motiviert war.
 
Ein wesentlicher Grundsatz von SQIDAS® lautet: Verantwortung ist nicht delegierbar.
 
Weder an:
  • Software,
  • externe Berater,
  • statistische Modelle,
  • noch an automatisierte Verfahren.
SQIDAS® macht Verantwortlichkeiten sichtbar und explizit:
  • Wer definiert Kriterien?
  • Wer trifft Entscheidungen?
  • Wer prüft?
  • Wer trägt die Verantwortung im Konfliktfall?
Diese Klarheit ist Voraussetzung für Governance – und in der Praxis häufig der schwierigste Teil.

Warum dieser Ansatz tragfähig ist

Ein systemischer Ansatz wie SQIDAS® bietet mehrere Vorteile:
  • Erklärbarkeit
    Entgeltstrukturen lassen sich sachlich und konsistent erläutern.
  • Prüfbarkeit
    Entscheidungen sind nachvollziehbar dokumentiert.
  • Konfliktfestigkeit
    Auseinandersetzungen drehen sich um Strukturen, nicht um Vermutungen.
  • Datenschutzkonformität
    Personenbezogene Daten werden nicht mit Systemlogik vermischt.
  • Mitbestimmungsfähigkeit
    Bewertungs- und Entscheidungslogiken sind vermittelbar.
Ohne System entstehen regelmäßig:
  • inkonsistente Bewertungsmaßstäbe
  • nicht dokumentierte Entscheidungsverschiebungen
  • personenbezogene Argumentationsmuster
  • Konfliktverlagerung in den Einzelfall

Ausblick

SQIDAS® zeigt: Entgelttransparenz ist beherrschbar – wenn sie als Organisationsaufgabe verstanden wird. Im nächsten Beitrag dieser Serie geht es um einen häufig diskutierten Punkt: Stehen Datenschutz und Entgelttransparenz wirklich im Widerspruch – oder ist Datenschutz vielmehr der notwendige Strukturrahmen?
 
Entgelttransparenz ist keine Frage der Datenverfügbarkeit,
sondern der Entscheidungsarchitektur.
 
Demnächst auf dieser Website:
👉 Teil 3: Datenschutz & Entgelttransparenz: Widerspruch oder Strukturfrage?